Die Travemünder Woche ist eine Reise wert. Das sagten sich auch Stefan Kreiss und Sonja Diezler und trailerten ihre Dyas Mitte Juli an die Ostsee, wo auch die Internationale Deutsche Meisterschaft (IDM) der Klasse ausgetragen wurde. Ein gelungener Mix aus Party, Fressbuden, Konzerten, täglicher Lasershow und spannenden Wettkämpfen mit großem Zuschauerinteresse erwartete sie. Für die Wohnmobile der Teilnehmer waren auch Stellplätze in erster Reihe, direkt an der Trave, reserviert.
Der Beginn war alles andere als glücklich. Beim Einkranen verwechselte der offenbar noch unerfahrene Kranmeister die Bedienknöpfe und fuhr die Dyas an die Stahlstützen des Trailers. Ein kapitaler Schaden am Kiel ist die Folge. Da so eine Teilnahme unmöglich ist, heißt es improvisieren. Mit schnell beschafftem Material und und in einer Nachtschicht wird der Schaden in Eigenarbeit beseitigt.
Zunächst standen die Wettfahrten der Norddeutschen Meisterschaft der Dyas an, die als erfolgreicher Test für die IDM abgeschlossen wurden. Dann wurde es ernst. Aber lassen wir Stefan selbst berichten.
Tag1 – Es läuft
Einen kalorienreichen Pausetag und einen stark verregneten Vermesssungstag später wurde es ernst. Die durch das Schweizer Team Brandt/Bärlocher tatsächlich zu einer internationalen Deutschen Meisterschaft aufgewertete Regatta startete mit der launigen Ansprache des Wettfahrtleiters. Draußen am Kurs ging es bei moderatem Hängewind und ziemlich flachem Wasser pünktlich auf die Bahn. Für uns brachte ein gelungener Start aus der Mitte und konsequentes Belegen der favorisierten Seite eine gute erste Runde. Ohne grobe Schnitzer im weiteren Verlauf reichte es dann zum Laufsieg. Ganz anders der zweite Lauf. Übermotivation und mangelnde Übung führten in direkter Konsequenz zum Frühstart, den wir mit einer Runde um den Büffel, so hieß unser bulliges Startboot, heilten. Jetzt hieß es das Risiko zu erhöhen, freien Wind suchen und Speed, Speed, Speed. Mit einer radikalen Recovery schafften wir es, uns mit viel Einsatz und Glück nochmal auf den 7. Platz zu retten. Puh! Der dritte Lauf begann für uns relativ nah am Startboot mit einem mäßig gelungenen Start, der uns mit viel Speed auf der bevorzugten Seite bis zur ersten Tonne ans Ende des Vorderfeldes brachte. Hier halfen die gegenseitigen Attacken der vor uns liegenden Kollegen uns unter Spi auf Platz 3 vor zu fahren. Unser für diese Bedingungen ideales Crewgewicht und der daraus resultierende gute Speed auf der Kreuz bescherte Platz 2 vor dem letzten Spigang. Der Sportkamerad Olbrysch musste etwas auf der linken Seite gesehen haben und shiftete zeitig weg. Wir sahen es nicht und beließen es beim Prinzip, tief, frei und schnell. Zu unserem Glück lief es doch rechts besser und wir hangelten uns vorbei. Laufsieg und ab zum Empfang auf der Passat. So konnte es weitergehen!
Tag2 – Anders als gedacht!
Tat es aber nicht. Für Tag 2 hatten sich die meisten Wettermodelle auf mehr Wind geeinigt und so war der Trimm für 4-5Bft optimiert. Zunächst ließ es sich mit dem Wind auch ganz gut an und der eher schwache Start, aber immerhin auf der bevorzugten linken Seite, halfen uns bei der ersten Tonnenrundung mit den nun nicht mehr so gut für uns geeigneten 4+Bft auf einen Platz am Ende des ersten Drittels. Freier Wind und gute Winkel unter Spi ließen ein paar Gewinne zu. In Runde 2 konnten wir im nachlassenden Wind wieder maximal aufpowern und mit dem dann wieder guten Speed und dem Spielen der Dreher auf der linken Kursseite einen 3. Platz ersegeln. Nächster Lauf. Im weiter stark nachlassenden Wind versauten wir den Start und die versuchte Recovery ging schief. Eilends, per Stoßgebet herbei gewünschte Kippen kamen nicht. Der gesuchte freie Wind war nicht zu finden, da sich das Feld extrem weit, auch weit über die Layline hinaus, ausbreitete. Ergo befanden wir uns an Tonne 1 hinten – ganz hinten! Und was soll ich sagen? Da herrscht eine ganz andere Segelkultur! Man wird als Vorletzter vom Letzten schon aus 30m Entfernung um Raum an der Tonne angebölkt und Schlimmeres – dazu gleich noch mehr! Jedenfalls alles Verhalten, das man, würde man das Vorhaben verfolgen, selbst weiter vorne ins Ziel zu kommen, so nicht an den Tag legen würde. Vorne im Feld existiert diese Art der kontraproduktiven Aggressivität jedenfalls nicht. Eine Runde später hatten wir uns dann ins hintere Mittelfeld verholt und wurden auf dem Spigang abermals Zeuge ungewöhnlichen Verhaltens. Wir waren nach wie vor bestrebt freien Wind zu finden und shifteten schnell auf die benachteiligte linke Spur auf der wir uns alleine wähnten. Der Kollege hinter uns schien es auch für eine gute Idee zu halten. Jedenfalls sahen wir uns mit einem harten Cover beaufschlagt und entschieden ihm die Bahn zu lassen und abermals zu halsen. Erneutes Drauflegen – erneutes shiften usw. Kurze Nachfrage im Vorschiff, ob wir dem Kollegen schon mal was getan hätten ergab auch nichts. Im Ergebnis segelte der Kollege uns und sich selbst wieder ganz nach hinten und verdiente sich einen Strafkringel nachdem er sich an der Tonne in eine heikle Wegerechtssituation begeben hatte. Solchermaßen von Schatten befreit, langte es noch mit viel Mühe zu Platz 10. Lauf 3 des Tages wurde 2 Mal gestartet und 2 Mal auch zu Recht wg Flaute wieder abgeschossen. Wir erlebten den Abschuss einmal auf Platz 2 und einmal ganz hinten, waren aber doch beide Male froh, dass dem Treiben ein Ende gemacht wurde. Was solls – der Tag ging für uns auf Gesamtplatz 2 zu Ende.
Tag3 – Desaster strikes
Der dritte und letzte Tag behandelte uns geneigte Regattasegler wieder mit der gleichen Flaute, die wir schon vom Vortag kannten. Abermals wurde gestartet und abermals wurde — nein, leider wurde dieses Mal nicht abgeschossen sondern das Elend ging ins Ziel. Für uns war nach Fehlstart und in prekären Bedingungen nichts mehr drin und wir mussten anerkennen, dass durch diesen Lauf die gute Platzierung dahin war.
Dennoch – den Siegern und Platzierten gratulieren wir herzlich. Sie haben ihre Ergebnisse redlich verdient und fair ersegelt!
Stefan und Sonja wurden Vierte – ein sehr respektables Ergebnis, wie wir finden! Gratulation!
Übrigens – der SYC war stark vertreten. Florian Schulz mit seinem Steuermann und Karl-Heinz Schulz mit Vorschoter belegten den 8. und 15. Platz (bei 25 Startern).
ms








