IDM-J70 in Glücksburg

Am Mittwoch, 5. Juli 2017 ist die J70 Crew, Florian Schwarz, Stefan Kreiß, Tobias Bickel und Uli Schlott am frühen Vormittag nach Glücksburg aufgebrochen. Die letzte auswärtige Regatta vor der Sommerpause, die IDM 2017 der J70 Klasse, war gebucht.
Nach einer langen 10-Stündigen Anfahrt sind wir schließlich beim Flensburger Segelclub (www.fsc.de/) angekommen. Der FSC hatte die Veranstaltung –von Stellplatz, Liegeplatz bis Essen und Unterkunft- gut vorbereitet. Die Vorfreude nach einem guten Essen war allen anzusehen.
Am nächsten Tag waren wir frühzeitig um 8:30 Uhr am Hafen, denn die Boote wurden kontrolliert, vermessen und registriert.
Um 14 Uhr sollte der erste Start sein, doch es war kein Wind. Startverschiebung – 2 Stunden später hoffte die Wettfahrtleitung auf Besserung und ließ auslaufen. Tatsächlich frischte der Wind ein wenig auf und es konnten noch 2 schöne Wettfahrten gesegelt werden. Insgesamt hatten sich 39 Boote gemeldet, aber nur 36 erschienen.
In der 1. Wettfahrt hatten wir leider keinen gelungenen Start und konnten uns auch im Verlauf des Rennens nicht nach vorne arbeiten, die mit einem 23. Platz endete. In der 2. Wettfahrt lief es dann besser, wir erkämpften einen zufriedenstellenden 14. Der 1. Wettfahrttag war zu Ende, am Abend gab es im Vereinsrestaurant ein leckeres warmes Buffet.
Für den 2.Tag war die Windvorhersage ernüchternd: null Wind und Regen. Die Wettfahrtleitung lies auslaufen in der Hoffnung, dass der Wind doch auffrischt. Leider trat das Gegenteil ein: Der Wind schlief komplett ein und wir konnten eine spiegelglatte Flensburger Förde bei Nieselregen bewundern. Nach drei Stunden Langeweile hatte aber niemand Lust länger zu warten. Immer mehr Boote machten sich auf, zurück in den Hafen zu kommen. Der Wind blieb auch für den Rest des Tages aus.
Die Abendveranstaltung war am Freitag auswärts: Abendessen gab es in der Werkhalle des Robbe & Berking Yachting Heritage Center (www.yachtingheritagecentre.com/). Dort konnte man den Fortschritt einer aufwendigen Holzboot-Restauration begutachten. Auch hatten sie eine wunderschöne 12mR Yacht in der Bootshalle stehen.
Am 3. Tag kam schließlich kräftiger Wind auf –Vorhersage bis zu 25 Knoten. Wegen der am Vortag ausgefallenen Wettfahrten waren für diesen Tag 5 Rennen angepeilt. In der 1. Wettfahrt sind wir gut gestartet und konnten eine sehr gute Position bis zum Ziel halten und sind als 6. über die Ziellinie. In der 2. Wettfahrt hat uns das Glück aber dann verlassen: wir hatten Pech beim Start und konnten uns auch über lange Strecken nicht sinnvoll freisegeln. Weit zurückgefallen sind wir schließlich nur als 32. ins Ziel gegangen. Auch in der 3. Wettfahrt lief es nicht zufriedenstellend: Nur einen 26. Platz. In der 4. Wettfahrt des Tages sollte alles besser werden. Wir sind exzellent gestartet und konnten uns auch auf der zweiten Kreuz auf die vorderen Plätze vorarbeiten. Wir haben uns beim letzten Down Wind Gang für die Seite mit dem stark auffrischenden Wind entschieden und konnten sehen, dass wir wohl diesmal einen der vorderen Plätze schaffen. Doch leider wollte uns das Unglück nicht verlassen. Plötzlich rauschte völlig überraschend der Gennaker runter und fiel ins Wasser. Innerhalb weniger Minuten zogen wir den Gennaker aus dem Wasser um ihn neu zu setzen.
Dann war die Ursache zu sehen: Der Mantel des Gennakerfall´s war gerissen und die Seele der Leine hält nicht in der Klemme. Prompt löste sich auch der Gennaker wieder um zwei Meter, dennoch konnten wir unseren Down Wind Kurs zu Ende segeln. Unsere gute Position war natürlich dahin. Immerhin sind wir trotz dieses Unglücks nicht als letzter ins Ziel gegangen, wir hatten noch einen 31. Platz. Viel ärgerlicher aber war, dass wir die letzte Wettfahrt nicht mehr starten konnten. Insgesamt hat uns dieser Bruch vermutlich 30 Punkte und damit gut 6 Plätze gekostet.
Nach der Abmeldung bei der Wettfahrtleitung segelten wir bei 25 Knoten Wind zurück. Schade, es wäre bestimmt noch eine heiße letzte Wettfahrt gewesen. Zurück im Hafen begann dann die Odyssee ein neues Fall aufzutreiben. Nach einer kurzen Recherche im Internet fuhren Stefan und Uli nach Flensburg, um dort ein neues Fall zu besorgen. Die erste Adresse war nur eine Briefkastenfirma, die zweite ein Bauhaus, die hatte keine für uns verwendbare Leinen. Durch Glück fanden wir noch einen Händler, welcher aus seiner Garage einen Leinenversand betreibt. Nach einem kurzen Anruf erhielten wir dort ein brauchbares Fall. Unsere Stimmung stieg, der nächste Tag war gerettet. Abends gab es noch Fleisch vom Grill und Beilagen vom Buffet.
Am 4. Wettfahrttag hat der Wind deutlich abgenommen, bei 2 Windstärken wurde das erste Rennen gestartet. Während der Wettfahrt nahm der Wind weiter ab und es wurde ein echtes Schwachwind-Rennen. Alle Handgriffe und Bewegungen an Bord wurden behutsam und mit viel Umsicht ausgeführt. Bei schwer vorhersehbaren Windbedingungen hatten wir uns zunächst sehr günstig positioniert, mussten dann aber aufgrund einer falschen Seitenwahl auf der letzten Kreuz noch Plätze abgeben, kamen aber mit einem akzeptablen 17. Platz ins Ziel. Eine weitere Wettfahrt wurde mangels Wind nicht mehr gestartet.
Danach ging es so schnell wie möglich unter Motorvollgas in den Hafen und der Wettkampf um die Kranplätze begann. Im Hafen angekommen war das Rigg schon abgebaut und wir konnten schnell an den Autokran, welcher zusätzlich zum Hafenkran zur Verfügung gestellt war. Abenteuerlich mussten wir unser Boot im flachen Wasser an der Slipanlage ohne Festmachmöglichkeit positionieren, um den Kran einzuhaken. Eine J70 bleibt aber nicht so einfach stehen. In Jollenmanier ist Florian geistesgegenwärtig ins hüfttiefe Wasser gesprungen und hat unser Boot festgehalten. Der Kran hob es 20 Meter über den Boden und dann sicher in den Trailer. Schnell wurde der Mast gelegt und alles verzurrt, um 14 Uhr wurde die Heimreise antreten.
Insgesamt sind wir mit unserer Leistung nicht zufrieden, wir hätten uns ein besseres Ergebnis gewünscht, das gebrochene Fall hat unsere Position stark verschlechtert. Es war aber eine schöne Regatta, der FSC hat die Veranstaltung richtig gut organisiert und ein tolles Programm vorbereitet.
Überraschend war, dass aus dem süddeutschen Raum fast keine Vereine anwesend waren, insbesondere keine sehr guten Besatzungen. So ergab sich dann auch, dass wir mit dem 26. Platz das beste süddeutsche Team wurden.

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